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Die Ming-Dynastie

Knapp zweihundertachtzig Jahre lang (1368 bis 1644) wurde China von der Ming-Dynastie beherrscht. Sie entstand aus der Rebellion gegen die mongolische Fremdherrschaft und löste die Yuan-Dynastie ab. Es war eine Zeit des wirtschaftlichen und kulturellen Höhenflugs.

Aufbau

Zhu Yuanzhang, der erste Kaiser der Dynastie, war ein Mann aus dem Volk. Nach dem erfolgreichen Kampf einer Rebellengruppe namens ‹Rote Turbane› griff er als ihr Anführer nach der Macht. Er trat seine Herrschaft unter dem Namen ‹Hongwu› – ‹umfassendes Kriegertum› an. Da die von Kublai Khan so geschickt aufgebaute Verwaltung des Mongolenreiches im Laufe der Jahre an Vernachlässigung zerfallen war, konnte er auf nichts zurückgreifen. Er strukturierte das Reich neu.

Den wirtschaftlichen Wiederaufbau des Reiches stellte Hongwu in den Mittelpunkt. Zudem erkannte er trotz seines kriegerischen Namens, dass er nicht nur Soldaten, sondern auch Verwalter brauchte. Das bedeutete aber nicht, dass er die Kontrolle aufgab. Stattdessen erliess er harte Gesetze. Sie wurden brutal durchgesetzt. Beamte, die sich dem widersetzten, wurden zum Tode verurteilt. Wichtige Posten wurden zudem mit Mitgliedern der kaiserlichen Familie besetzt und alte Führungsstrukturen zerstört. Hongwu wurde zu einem absolutistischen Herrscher.

Von Nanjing nach Beijing

Im frühen fünfzehnten Jahrhundert wurden die Mongolen an der Grenze wieder aktiver. Kaiser Yongle, der zweite Sohn von Hongwu, verlegte daraufhin die Hauptstadt vom grenznahen Nanjing nach Beijing. Zum zusätzlichen Schutz liess er eine grosse Mauer um die Stadt errichten und begann mit dem Bau der Verbotenen Stadt. Ebenfalls wurde unter seiner Herrschaft die Chinesische Mauer verbessert und in Stand gesetzt. Die Mongolen rückten trotzdem vor. Die Angreifer jedoch waren uneins und hatten nicht zu der alten Macht zusammengefunden. 1449 belagerten sie Beijing, wurden aber abgewehrt und zurückgetrieben. Die Ming Dynastie bewies also nicht nur auf wirtschaftlicher Ebene grosse Stabilität, sondern auch militärisch.

Wirtschaft und Handel

Diese Stabilität führte zu einem enormen Wachstum und internationalen Handel. Besonders im sechzehnten Jahrhundert wurden die Handelsbeziehungen ins Ausland gefestigt. Die konservativen Handelsgesetze wurden entspannt. Ein reger Handel sowohl mit Nachbarländern wie auch mit Spanien, Belgien und Portgal entstand. Grosse Mengen Silber gerieten so nach China. Portugal hatte ab 1557 sogar eine Handelsstation auf Macao. Durch diesen Reichtum wuchs natürlich auch die Handelskriminalität, namentlich die Piraterie. Je mehr die Ming jedoch in ihre Flotte investierten, desto mehr legte sich dieses Problem.

Nachdem Christoph Columbus 1492 Amerika ‹entdeckt› hatte, gelangten von dorther auch völlig neue Produkte nach China. Kartoffeln, Mais und Tabak waren bis zu diesem Zeitpunkt unbekannt gewesen. Gerade die Nahrungsmittel machten die Versorgung der Bevölkerung noch einfacher, so dass diese rasch wuchs. Je mehr die urbanen Zonen dadurch wuchsen, desto freier wurden die Frauen der reicheren Schichten im Gegensatz zu früheren Zeiten. Sie bauten eigene Geschäfte auf und konnten unabhängig leben. Auch kulturell wurde China immer stärker. Der Reichtum bot Platz für Kunst und Kultur.

Niedergang

Wie jedes grosse Reich der Geschichte erkrankte die Ming Dynastie an Machthunger. Intrigen und Korruption wurde über die Dauer der Jahre zu einem immer grösseren Problem. Die klaren Strukturen, welche das Reich gross gemacht hatten, boten einigen wenigen viel Macht. Offiziere liessen ihre Soldaten als ihre Diener arbeiten, mächtige Familien bekämpften sich gegenseitig, Verwalter von Provinzen pressten die Menschen, die ihnen ausgeliefert waren, aus. Das alles führte zu wachsenden Unruhen, zu Protesten und zu Rebellion.

Als Kaiser Wanli 1572 mit noch nicht einmal zehn Jahren sein Amt antrat, lag die Macht in den Händen von Zhang Juzheng. Unter dessen Führung schien sich das Reich zu stabilisieren und erlebte eine späte Blüte. Juzheng ging gegen Korruption und Instabilität vor. Noch einmal wuchsen Kultur und Kunst und eine soziale Gerechtigkeit begann zu entstehen. 1582 jedoch starb Juzheng und der 18-jährige Wanli übernahm die Regierung. Ab diesem Zeitpunkt zerfiel das Reich mehr und mehr. Schwere Krisen und Kriege erschütterten die untergehende Dynastie. Diese schwere Zeit öffnete die Schere zwischen Arm und Reich erneut und die Unruhen im Volk schlugen in Rebellion über.

1620 verstarb Kaiser Wanli. Sein Sohn, der seine Nachfolge antrat, war schwer krank und verstarb nur einen Monat später. Einige wenige Jahre regierte dann noch Kaiser Tianqi, konnte den Niedergang auch nicht mehr bremsen. Nach seinem Tod mit zarten zweiundzwanzig Jahren trat der letzte Kaiser der Ming Dynastie, Chongzhen, sein Amt an.

Tod des letzten Kaisers

Während der Ära von Chongzhen erhob sich ein ehemaliger Soldat, Li Zicheng, in der Volksrebellion. Viele Truppen der Ming liefen zu ihm über, so dass er ein mächtiger Kriegsherr wurde. 1644 nahm er Beijing ein. Kaiser Chongzhen erhängte sich darauf hin. Es gelang Li Zicheng jedoch nicht, Stabilität aufzubauen und die Jurchen oder Mandschuren, welche in der Zwischenzeit von Nurhaci zu einem starken Volk geeint worden waren, nutzten die Gelegenheit. Sie nahmen ihrerseits Beijing ein und legten damit den Grundstein für die Qing Dynastie.

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