Diverse, Erfahrungen

Kung Fu macht mich glücklich.

Zwei Monate lang ist unsere Schule nun geschlossen. Zwei Monate, in denen ich mit mal mehr, mal weniger Kreativität meiner Leidenschaft nachgegangen bin. Zwei Monate, in denen ich auf dem Balkon Formen geübt und Abend für Abend Kraftübungen gemacht habe. Zwei Monate, in denen eine eigene, improvisierte Holzpuppe entstanden ist, aber auch viel Heimweh und Sehnsucht.

Ein guter Rat

Ganz zu Anfang des Lockdowns habe ich mit meinem Sihing Alex per Whatsapp geschrieben. Dass ich schon nach einigen Tagen fast durchdrehe. Er schrieb mir, ich soll mich an mein Kung Fu halten. Das hätte ich immer bei mir. Dieser Rat, so simpel er auch klingen mag, war wichtig.

Zwei Seiten einer Medaille

Wenn mir die Decke auf den Kopf zu fallen drohte, habe ich Grundschule geübt. Um ein Projekt zu haben, das mich durch die viel zu leeren Tage trägt, habe ich eine Holzpuppe gebaut. Um mich auszupowern, habe ich den Boxsack auf dem Balkon malträtiert. Und wenn ich keine Sinn in meinem Tag gesehen habe, habe ich mich um meine Formen gekümmert, um sie ja nicht zu vergessen. Weder meine dafür schon aufgewendete Zeit noch die meiner Lehrer soll nachträglich sinnlos werden. Und all die Arbeit an meiner etwas suboptimal ausgebildeten Rücken- und Rumpfmuskulatur soll nicht umsonst gewesen sein. Damit hielt ich mich wach, aktiv, motiviert.

Mit der Zeit entstand aber eine Kehrseite. Kung Fu ist mehr als Bewegen. Zu ‹meinem› Kung Fu gehören die Menschen. Mein Sifu sagte mal, das Gar in Hung Gar bedeutet Clan, Familie. Man kann nicht Hung Gar praktizieren ohne Familie. Natürlich üben wir zweimal die Woche per Stream alle zusammen und trinken anschliessend bei einer Fragerunde Tee, aber gleichzeitig sind es sehr einsame Stunden. Jedes Mal, wenn ich übe, wenn ich Lektionen folgen, wenn ich mich um Formen kümmern, denke ich an die Menschen, mit denen Kung Fu mich verbindet und die ich mit Kung Fu verbinde. Und ich werde immer wieder tieftraurig, dass sie im Moment so weit weg sind.

Sie sind noch da!

Aber heute, ha! Heute hatte ich eine Privatlektion bei Sihing Alex, zusammen mit einem anderen Schüler. Natürlich alles mit Auflagen. Aber trotzdem fühlt es sich so befreiend, so gut, so schön an, zumindest einen kleinen Teil der Familie zu sehen. Sie ist noch da, diese Familie, und gar nicht so weit weg, wie mir bewusst geworden ist. Sie ist nicht nur Online, besteht auf mehr als einem digitalen Tee.

Es ist ein Gefühl von Vollständigkeit, das ich heute endlich wieder gespürt habe. Es fehlt mir in der Zeit des Lockdowns mehr als vieles andere. Ich sauge es jetzt, da ich schon wieder allein bin, noch auf wie ein Schwamm. Es fühlt sich gut an. Damit halte ich wieder weiter durch, mit dieser frisch aufgeladenen Batterie.

Denn heute, heute konnte ich endlich wieder Hung Gar praktizieren. Heute hatte ich das ganze Paket, Kunst und Familie. Und dieses Paket, das macht mich glücklich.

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