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Wuxia

Bei meinen Recherchen über Kung Fu bin ich oft genug über den Begriff Wuxia gestolpert. Entsprechend habe ich ihn recherchiert. Wuxia ist ein chinesisches Geschichten-Genre und normalerweise drehen sich die Inhalte um einen ritterlichen Helden, der Wushu beherrscht. Damit entspricht Wuxia ungefähr unseren klassischen Fantasy-Geschichten. Ein moderner, bekannter Vertreter von Wuxia im Bereich Film ist ‹Crouching Tiger, Hidden Dragon›.

Inhalt

Der literarische, ritterliche Held hat dabei nichts mit Adel oder hoher Geburt zu tun. Ein Xia braucht nicht wie Tolkiens Aragorn eine edle Abstammung zu haben, sondern kann aus jeder Schicht stammen. Oft wird ein jugendlicher Held mit einem schlimmen Schicksal konfrontiert und muss viele Prüfungen bestehen. Ein weiterer, wichtiger Teil von Wuxia ist ein korruptes System, welches den Helden dazu zwingt, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Durch aussergewöhnliche Ereignisse erlangt die Heldenfigur dann die Möglichkeit, Wushu zu erlernen. Durch eigene, harte Arbeit, Meditation und oft geleitet von einem hervorragenden Lehrer erreicht sie selbst einen überragenden Status. Die Fähigkeiten, welche sich die Figur dabei erarbeitet, sind übermenschlich, basierend auf Prinzipien von Daoismus, Buddhismus oder traditioneller, chinesischer Medizin.

Die Geschichten spielen üblicherweise in der Vergangenheit und basieren oft auf realen Ereignissen. Zentrale Geschehnisse aus der Geschichte von Kung Fu wurden dabei immer wieder in Wuxia-Romanen verarbeitet. Ein gutes Beispiel dafür ist die Zerstörung des südlichen Shaolin-Klosters. Um die fünf Überlebenden ranken sich zahllose Geschichten. Viele Romane sind zudem in der Qing-Dynastie angesiedelt und beschreiben die mandschurischen Besatzer als Feind.

Historischer Anspruch

Obwohl viele Wuxia-Geschichten in einem historischen Kontext spielen, haben sie den selben Historik-Anspruch wie unsere Fantasy-Romane. Die Dichte von Wuxia macht es dabei oft nicht einfach zu unterscheiden, was historisch belegt ist und was nicht. Romane wie ‹Die drei Reiche› werden auch gerne als Zeitzeugen und Darstellung der realen Geschichte angesehen und genutzt – nicht zuletzt weil vieles der Chinesischen Geschichte verloren gegangen ist.

Geschichte von Wuxia

Wuxia ist eine sehr traditionelle Literatursparte. Entstanden ist das Genre wahrscheinlich aus den Geschichten über fahrende Ritter und Attentäter (Youxia) aus dem 3. und 2. Jahrhundert vor Christus. Attentäter meint in diesem Fall nicht einen feigen Meuchelmörder, sondern einen Kämpfer, der wichtige Personen anderer Nationen tötet. Eine solche Aufgabe galt als nobel. Der Begriff Xia ist dabei nicht per Zufall sowohl im Begriff Wu Xia wie auch You Xia vorhanden. Er bezeichnet einen ritterlichen Helden.

Die ersten, explizit als Wuxia bekannten Romane stammen jedoch erst aus der Ming Dynastie. Dazu gehören ‹Die Räuber vom Liang-Schaan-Moor› von Shi Naian und ‹Die drei Reiche‹ von Luo Guanzhong.

Aufgrund der oft systemkritischen Haltung von Wuxia waren sowohl in der Ming- wie auch in der Qing-Dynastie immer wieder einzelne Werke verboten. Sie wurden als aufrührerisch und volksverhetzend bezeichnet. Das Genre war im Volk dennoch äusserst beliebt.

In der Phase der Volksrepublik China wurde Wuxia als Literaturrichtung 1931 komplett verboten. Bekannte Autoren wie Jin Yong (1924 – 2018) hielt das jedoch nicht davon ab, trotzdem zu schreiben. Das Verbot wurde in den 80-er Jahren wieder aufgehoben. Tatsächlich bekam Wuxia im 20. Jahrhundert einen sehr starken Aufschwung und schaffte den Sprung in den Westen. Filme wie ‹Hero›, ‹Tiger and Dragon›, ‹Der Fluch der goldenen Blume› und ‹A Chinese Ghost Story› haben in den westlichen Kinos ein begeistertes Publikum gefunden. Trotz dieser Kinoerfolge bleibt dem westlichen Leser ein Grossteil von Wuxia mangels Übersetzungen verwehrt.

2 Comments to “Wuxia”

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